Europäische Volksuniversität Vierte Welt am 08. November 2010 in Brüssel

In diesem Jahr fand die 8. Europäische Volksuniversität der Bewegung ATD Vierte Welt beim Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) in Brüssel statt.
Postierter Artikel die 23. Dezember 2010 Print Friendly
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Europäische Volksuniversität Vierte Welt am 08. November 2010 in Brüssel

Es war ein eindrucksvoller Ort, an dem sich die Besucher und Teilnehmer der Volksuniversität Vierte Welt ernst genommen und wertgeschätzt fühlen durften.
Wir – Carola, Claire und Marius aus Berlin - nahmen als Delegation von ATD Vierte Welt in Deutschland und als Vertreter des „Parlaments der Menschlichkeit“ an dieser Veranstaltung teil.
Insgesamt kamen ca. 120 Teilnehmer, insbesondere junge Menschen, aus Frankreich, Luxemburg, Polen, Belgien, Großbritannien, den Niederlanden, Irland, der Schweiz, und Deutschland zu diesem Treffen.

Bei den Bildungstreffen der "Volksuniversität Vierte Welt" begegnen sich von Armut betroffene Menschen und andere, auch Fachleute, im Gespräch miteinander.
Um diesen Dialog möglich zu machen, bereiten die Teilnehmer die Themen in kleinen Gruppen vor und üben sich darin, über Selbsterlebtes und vor vielen Menschen zu sprechen. Dabei werden nicht nur persönliche Erfahrungen präsentiert, sondern auch gemeinsame Lösungen und Ideen erarbeitet.

Bei dem diesjährigen Treffen machten die Teilnehmer zunächst aus verschiedenen Perspektiven deutlich, was die Volksuniversität für sie bedeutet:

- „Ein Ort an dem man gemeinsam mit Personen mit Armutserfahrung über Themen nachdenkt und diskutiert, sowie Erfahrungen ausgetauscht“.
- Eine große Herausforderung in einen Dialog zu treten - speziell wenn Menschen mit sehr verschiedenen Lebenserfahrungen aufeinander treffen.
- Ein Ort, an dem sich die Politiker inspirieren lassen.
- Ein Ausbildungsort für alle, ein Ort wo man voneinander lernt.
- „Die Volksuniversitäten helfen uns allen, für unsere Rechte zu kämpfen und
motivieren uns, um lesen und schreiben zu lernen. Es braucht zwar manchmal
Jahre, bis man sich traut bei einer Volksuniversität, das Wort zu ergreifen. Aber
irgendwann macht es „klick“ und man kann seine Meinung sagen. Das ist dann ein großer Erfolg. Wenn wir heute für etwas kämpfen, dann hauptsächlich dafür, dass es unseren Kindern einmal besser geht als uns. Die Volksuniversität bietet Raum dafür.“

Das Thema in diesem Jahr war: „Lasst uns gemeinsam mit jungen Menschen ein Europa ohne Armut und Ausgrenzung schaffen“

Junge Menschen akzeptieren nicht mehr ungefragt das vorherrschende Gesellschaftsmodell, bei dem das Geld im Vordergrund steht. Vielmehr wünschen sich die Jugendlichen ein Europa, das ihnen die Möglichkeit bietet, ihre Ideen vorzubringen, sich auszutauschen und mit Respekt behandelt zu
werden (siehe auch den „Aufruf junger Menschen in Europa“).

Schwerpunkt 1:

„Schule, Ausbildung, Beruf“: Was haben wir, die ärmsten und am meisten
benachteiligten Jugendlichen, über den Einstieg in das Berufsleben zu sagen?

Schwerpunkt 2:

Der Platz der ärmsten Jugendlichen in der Gesellschaft: In ihrem Aufruf sagen uns die Jugendlichen: „Das Schwierigste ist, dass wir nichts zählen, dass unser Leben für niemanden einen Wert hat.“

Die Zusammenfassung machte einige wichtige Aspekte deutlich:

Armut ist nicht akzeptabel

Um Armut zu überwinden, dürfen wir uns nicht damit zufrieden geben „die Armut um 15% zu reduzieren“, wie es zurzeit von der Politik gefordert wird. Wir dürfen nicht akzeptieren, dass auch nur ein einziger Menschen in Armut lebt! Menschenrechte gelten nur in ihrer Gesamtheit und Universalität. Solange jemandem auch nur ein Menschenrecht vorenthalten wird, kann er/sie nicht in Würde leben. Menschenrechte sind unteilbar.

Jeder Bürger muss teilnehmen können

- Wenn kein Mensch in Armut leben darf, müssen wir gemeinsam mit Menschen, die in Armut leben, an Strategien und Lösungen des Problems arbeiten.
- Denn niemand hat eine Patentlösung für das Problem. Politik muss eine Brücke sein, so dass jeder seine Ideen einbringen kann.
- Wir müssen Partner suchen, die sich auch um die Zukunft der Jugend sorgen, um dann gemeinsam ein Europa ohne Elend zu schaffen.
- Dafür müssen alle Generationen mit einbezogen werden.
- Heute erleben wir eine Krise. Menschen, die Armutserfahrung gemacht haben,
können uns Ideen für Lösungen geben.

Bedingungen für den Dialog schaffen

Um gemeinsam mit Menschen, die in Armut leben, an Strategien und Lösungen zu arbeiten, müssen wir Bedingungen für eine gute Kommunikation schaffen. Dafür brauchen wir die Möglichkeit und den Raum, um voneinander zu lernen und uns zu begegnen. Wir müssen Räume schaffen und Arbeitspolitik machen, in der die Wünsche und Ziele der Menschen ernst genommen und die Familien unterstützt werden.

Carola, Claire und Marius - Berlin