Nelly Schenker: „Es langs, langs Warteli für es goldigs Nüteli – meine Erinnerungen“

Postierter Artikel die 22. April 2015 Print Friendly

Nelly Schenker: „Es langs, langs Warteli für es goldigs Nüteli – meine Erinnerungen“

Die Schweizerin Nelly Schenker ist seit vielen Jahren bei der Bewegung ATD Vierte Welt in der Schweiz, und heute auch in dessen Leitungsteam, aktiv. Im Oktober 2014 veröffentlichte sie die Lektüre „Es langs, langs Warteli für es goldigs Nüteli – meine Erinnerungen“.

Die in einem Heim aufgewachsene Schenker durfte auf Grund ihrer Armut nie eine Schulausbildung genießen. Mit ihrer Autobiografie lässt sie andere Menschen an ihren Erfahrungen von Armut und ihrer hartnäckigen Suche nach einem menschenwürdigen Leben für sich und andere teilhaben. Sie erzählt von ihren Erfahrungen mit Behördern oder mit Menschen, die verletzend handeln, ohne es vielleicht zu wollen.

Der Herausgeber Ueli Mäder betont jedoch, dass die Aufzeichnungen von Nelly Schenker klar über ihre Biografie hinaus wiesen. Im ersten Teil berichtet Schenker über ihre Kindheit, Jugend und junge Familie, während sie im zweiten Teil mit Hilfer mehrerer Interviews verschiedene Erlebnisse zusammenträgt. Nach Mäder habe die Lektüre dadurch einen höheren Wert: „[Die Aufzeichnungen] werfen ein Licht auf uns, auf soziale Einrichtungen und auf unsere Gesellschaft.“ Auch in dem Nachwort von Eugen Brand stellt dieser den hohen Wert des Werkes dar. Er sieht die Thematisierung einer Frage mit großer Aktualität aufkeimen: „Geht es heute wirklich nur um ’Schulden- und Wirtschaftskrisen’ in unserer Welt? Oder geht es vielleicht nicht doch um ein viel tieferes Schuldverhalten zwischen den Menschen?“

Besonders in dem benannten zweiten Teil war auch Noldi Christen, ein Mitarbeiter von ATD Vierte Welt, bei dem Schreibprozess behilflich. Dieser ist begeistert von Art und Weise der Erzählung. Trotz ihres tiefen Schmerzes, habe Schenker kein „dunkles, schweres Buch“ geschrieben, sondern sie sei eine „Lichtsucherin“, die dem Wesentlichen auf dem Grund gehe und die Leser mireiße
.
Dies hängt sicherlich auch mit der Tatsache zusammen, dass Schenker eine Künstlerin, um genauer zu sein eine Malerin, ist. Sie selbst sagt über Kunst: „Malen ermöglicht es, Brücken zu bauen zwischen den Menschen. Und das Licht der Farben zeigt uns einen Weg, wie man sich weit öffnen kann. Trotz Wind und Regen.“

„Wenn ein Mensch sich trotz tiefster Demütigung und Erniedrigung, trotz Abwesenheit von Liebe und Aufmerksamkeit immer und immer wieder aufzurichten vermag, dann sprechen die Psychologen von der Kraft der Resilienz. Das Buch von Nelly Schenker zeichnet den Weg einer Resilienz nach, es ist die Autobiographie einer Überlebenden. Es ist die Geschichte des erbitterten Kampfes einer Frau gegen Ausschluss und Unwissenheit. Und es ist die Geschichte der tiefen Verbindung zwischen diesem persönlichen Kampf und einer Bewegung, die das Potential von Menschen zur Entfaltung bringt, denen die Gesellschaft überhaupt nichts zutraut.“

Aus dem Vortwort von Altbundesrätin Ruth Dreifuss